Artgerechte Haltung

Kurzüberblick zur artgerechten Haltung europäischer Landschildkröten
(Testudo hermanni hermanni, Testudo hermanni boettgeri, Testudo marginata, Testudo graeca ibera)
Diese kurze Pflegeanleitung dient als erste Orientierung und ersetzt keinesfalls ein intensives Literaturstudium oder eine Haltungsberatung, welche wir bei uns in der Station anbieten.


Europäische Landschildkröten sind instinktgesteuerte Wildtiere. Sie sind nicht domestizierbar und nicht anpassungsfähig. Eine Vermenschlichung ist strikt zu vermeiden. Hochheben, Streicheln oder häufiges Manipulieren bedeutet für Schildkröten massiven Stress, da sie dies instinktiv mit einem Fressfeindangriff verbinden. Schildkröten sind Beobachtungstiere und nicht als Spielzeug für Kinder geeignet!
Dauerhafter Stress schwächt das Immunsystem, führt zu schweren Organschäden und endet häufig tödlich. Artgerecht gehaltene Tiere können über 100 Jahre alt werden, was leider durch falsche Haltung oft nicht erreicht wird. Unwissenheit und gut gemeinte, aber falsche Pflege führen regelmäßig zu irreversiblen Schäden. Da Schildkröten Schmerzen nicht sichtbar zeigen können, leiden sie meist unbemerkt.


Haltungsvoraussetzungen
Eine artgerechte Haltung ist ausschließlich im Freiland möglich! Ohne sonnigen Garten ist die Haltung europäischer Landschildkröten nicht empfehlenswert. Terrarienhaltung ist abzulehnen, da sie weder ausreichende UV-Strahlung noch ein natürliches Temperaturgefälle ermöglicht und häufig zur Überhitzung führt.

Gehege und Schutzhaus
Das Gehege sollte an der sonnigsten Stelle des Gartens liegen, wobei die Morgensonne wichtiger als die Abendsonne ist. Zusätzlich ist ein Frühbeet oder Gewächshaus zwingend erforderlich, um ein stabiles Mikroklima zu schaffen und Schutz vor Kälte sowie Fressfeinden zu bieten.
Ein Wärmestrahler und ein Frostwächter, gesteuert über Thermostat bzw. Zeitschaltuhren, sorgen für geeignete Temperaturen, je nach Art:
Tagsüber: ca. 22-25 °C Umgebungstemperatur
Sonnenplatz: 35-40 °C

Nachttemperatur: je nach Herkunftsgebiet deutlich abzusenken.
Ein Fensterheber ist notwendig, um Überhitzung zu vermeiden. Die Tiere müssen tagsüber, selbstständig zwischen Schutzhaus und Freigehege wechseln können.
Die Gehegegröße richtet sich nach Anzahl und Alter der Tiere. Für adulte Tiere sollten mindestens 10 m² für ein Tier eingeplant werden, mit jedem weiteren Tier 10qm mehr.  Entscheidend ist nicht nur die Größe, sondern eine strukturreiche Gestaltung mit Hügeln, Verstecken, Steinen, Wurzeln, Büschen und sonnigen sowie schattigen Bereichen. Der Boden sollte wasserdurchlässig sein. Die Umrandung muss ausbruch- und einbruchssicher, mindestens 40cm hoch und nicht durchsichtig sein.


Ernährung
Gefüttert werden ausschließlich Wild- und Wiesenkräuter, idealerweise von kargen Böden. Geeignet sind unter anderem Löwenzahn (nicht ausschließlich), Wegerich, Malven, Klee, Disteln, Nesseln und andere Wildkräuter. Abwechslung ist entscheidend. Getrocknete Wiesenkräuter sind sinnvoll, da sie die Darmtätigkeit fördern.
Nicht geeignet sind:
Obst, Gemüse, Salate (Ausnahme: Bittersalate wenn zB im Frühjahr noch keine Kräuter wachsen.)
Fertigfutter
Brot, Nudeln, Getreide
Hunde- oder Katzenfutter
Tödlich giftig sind unter anderem Eibe, Rhododendron, Azalee, Engelstrompete und Christrose.


Wasser, Kalk und Feuchtigkeit
Frisches Wasser muss täglich in flachen Schalen angeboten werden. Schildkröten benötigen Kalk, der in Form von Sepiaschalen oder fein gemahlenen Eierschalen und Algenkalk frei im Gehege angeboten wird. Kalkpräparate sind ungeeignet.
Besonders Jungtiere benötigen ein feuchtes Mikroklima, um ein glattes, gesundes Wachstum zu ermöglichen. Zu trockene Haltung und eiweißreiche Ernährung führen zu Höckerbildung, Gicht und schweren Organschäden.


Winterstarre
Die Winterstarre ist ein unverzichtbarer Bestandteil der artgerechten Haltung und gilt auch für Jungtiere. Gesunde Tiere müssen starren. Ein vorheriges Dauerbaden zur Darmentleerung ist überholt und schädlich, da die Darmflora erhalten bleiben muss.
Die Starre kann entweder naturnah im Frühbeet (frostfrei) oder kontrolliert im Kühlschrank bei 4–6 °C erfolgen. Wichtig sind konstante Temperaturen, ausreichende Feuchtigkeit und regelmäßige Kontrolle des Substrates. 


Rechtliches und Tierarzt
Alle europäischen Landschildkröten unterliegen dem strengen Artenschutz. Erwerb und Haltung sind nur mit gültigen Papieren und lückenloser Fotodokumentation erlaubt. Die Tiere müssen bei der zuständigen Behörde gemeldet werden.
Bei Erkrankungen oder Verletzungen ist ausschließlich ein reptilienkundiger Tierarzt aufzusuchen.


Schlussbemerkung
Diese Übersicht soll grundlegende Denkanstöße geben. Artgerechte Haltung erfordert Platz, Zeit, Wissen und die Bereitschaft, die eigenen Haltungsbedingungen regelmäßig zu überprüfen und zu verbessern.

Schildkrötenhaltung ist auch kein preiswertes Hobby! Die Anschaffung und ein qualitativ hochwertiges Frühbeet sind schon enorme Kosten. Die Stromkosten, bei den gestiegenen Preisen, darf man nicht unterschätzen.

Wir bieten Haltungsberatung in der Station an. Kontaktieren sie uns gerne zur Terminvereinbarung. 0176/50452588

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